Mount Rainier – 4.392 m

Nachdem wir den Olympic National Park verlassen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Mount Rainier. Der Vulkan ist mit einer Höhe von 4392 m der dritthöchste Berg in Kontinental USA.
Da der erste Tag sehr Wolkenverhangen und regnerisch war, nutzen wir diesen um uns genauer über die Gipfelbesteigung zu informieren und unser ganzes Equipment zu packen.
Am zweiten Tag machten wir uns auf zum Camp Muir. Aufgrund von begrenzten Schlafmöglichkeiten waren wir voll bepackt mit u.A. Zelt, Schlafsäcken und Kochutensilien. An diesem Tag war der Himmel immer noch mit grauen Wolken bedeckt und gestattete uns keinen einzigen Blick auf unser Ziel. Als wir gegen späten Nachmittag endlich im Camp Muir angekommen waren, war ich (Julia) völlig platt. Mark machte sich schnell dran das Zelt aufzubauen, inklusive vorher erstmal eine ebene Fläche zu schaufeln. Nachdem viel Wasser mit dem Kocher geschmolzen wurde, gab’s „gesunde“ Asianudeln und „leckere“ Tütenkäsenudeln. Wir gingen früh schlafen und stellten uns den Wecker auf 4 Uhr.

Am nächsten Tag ging es dann frühs um 5 Uhr los. Vorher gab’s Frühstück. Dadurch das Eis schmelzen viel Energie verbraucht und wir unseren Topf vom Vortag nicht wirklich abwaschen konnten, gab’s Haferbrei mit ranzligen Chemiekäse- und Sojasaucengeschmack – wüürg! Auch das Trinkwasser für unterwegs musste im selben Topf geschmolzen werden und bekam ebenfalls diesen besonderen Geschmack! Nicht gerade die beste Grundlage für so eine große Unternehmung. Wir ließen uns natürlich nicht davon abhalten und marschierten zielstrebig mit langsam aufgehender Sonne los. Die ersten paar hundert Meter gingen für mich sehr mühsam. Müdigkeit, flaues Gefühl im Magen vom „Frühstück“ sowie der Aufstieg vom Vortag zum Camp waren die Ursache. Die Aussicht auf den Sonnenaufgang über den Wolken gab mir wieder ein bisschen neue Kraft – das war einfach unglaublich! Trotzdem war mein Blick doch die meiste Zeit konzentriert auf meine Füße gerichtet. Mir kam es so vor, als ob ich nicht bzw. nur sehr langsam vorwärts kommen würde. Einen Schritt nach dem Anderen wie in Zeitlupe die steilen Hänge hinauf. In meinen Kopf war ein Kampf mit mir selbst – aufgeben und zurück nach unten oder weiter gehen, nach oben zum Gipfel. Ich entschied mich für’s Weitergehen. Langsam aber bestimmt immer weiter. Und noch ein kleines Stück weiter. Schritte zählen und die super Motivation durch Mark trieben mich an. Nach langen anstrengenden 7 Stunden kamen wir endlich am Kraterrand des Mt. Rainier an. Die Aussicht war einfach unglaublich. Ein riesiger schneebedeckter Vulkankrater, unterhalb mit weißen Zuckerwattewolken umgeben und oberhalb mit strahlend blauen Himmel bedeckt. An diesem Punkt fiel die ganze Anstrengung von mir. Dieses Gefühl wurde noch verstärkt, als wir durch den Krater auf die andere Seite zum höchsten Punkt liefen. Mit jedem Schritt fühlte ich mich auf einmal leichter und freier. Auch Stolz erfühlte mich, es doch bis hierhin irgendwie geschafft zu haben. Auf den letzten Metern wurde uns nochmal bewusst, dass wir tatsächlich auf einem Vulkan sind. An einigen Stellen neben uns trat schwefelhaltiger Dampf aus der Erde. Und dann endlich hatten wir es geschaft – der Gipfel, der höchste Punkt des Mt. Rainier, 4392 m! Überglücklich und voller Stolz umarmten wir uns. Berg heil oder besser gesagt, Vulkan heil

Und wer jetzt denkt, der Abstieg ist ja dann ein Klacks, der hat sich geirrt. Natürlich ist es kein Vergleich zum Aufstieg, aber geht trotzdem enorm auf die Oberschenkel und Schienbeine. Auch die Konzentration muss weiterhin bestehen bleiben. Dadurch der Schnee nun weicher und matschiger ist, besteht Lawinengefahr. In unserem Fall mussten wir mehr Acht auf Steinschläge geben. Einen Zwischenstopp gab’s nochmal am Camp Muir. Dort aßen wir einen kleinen Snack und packten unsere Sachen zusammen. Dann ging’s auch schon weiter nach Hause, zu unserem Bus. Die letzten Meter vom Abstieg, wollten meine Beine mich kaum noch tragen. Selbst Mark war K.O. – das will was heißen. Nach einem langen anstrengenden Tag kamen wir abends überglücklich und total fertig in unserem kleinen Zuhause an. Für mich war es eine tolle Erfahrung, die mich bis an meine Grenzen gebracht hat. Die mir aber auch gezeigt hat, was ich alles schaffen kann! Danke Mt. Rainier! Danke Mark!

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1 Comment

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2bfreereply
September 11, 2016 at 6:01 pm

Anmerkung von Mark: Der MOUNT RAINIER ist eine ganz andere Liga als die hohen Berge in Colorado. Erstens schleppst Du sämtliche Ausrüstung inkusive Campingzubehör bis hoch zum Camp Muir, was alles andere als ein schönes Fleckchen ist und zweitens sind allein die objektiven Gefahren am Rainier nicht von schlechten Eltern. Die zu überquerenden Spalten sind dabei auf jeden Fall die geringsten, auch wenn einzelne von Ihnen so breit sind, dass sie mit Leitern präpariert wurden. Viel gefährlicher sind die Querungen unter den Serac-Brüchen und den Steinfeldern auf unserer Tour (der „Disappointment Cleaver“). Gerade die vielen geführten Seilschaften stellen im Bereich des Disappointment Cleaver eine große Gefahr im Auf- und Abstieg dar. Selbst wenn man sehr konzentriert über den losen Schotter nach oben klettert ist es auch für erfahrene Alpinisten fast unmöglich dies zu schaffen ohne Steine loszutreten. Die Seilschaften darunter tragen also immer ein sehr hohes Risiko „getroffen“ zu werden. Ist dieser Abschnitt geschafft, wartet der Rainier mit seiner langen steilen zermürbenden Flanke, die sixch schier endlos bis zum Kraterrand hinaufzieht. Hier heißt es Zähne zusammenbeißen und einen Schritt vor den anderen zu setzten. Klar, es hat auch hier Spalten, aber wenige davon sind verdeckt oder als wirklich gefährlich einzustufen.
Alles in allem ein würdiger Gipfel, den man sich auf jeden Fall im Tourenbuch fett anstreichen darf.

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