Yosemite National Park

Für uns als Kletterer steht das Yosemite als Klettermekka natürlich ganz oben auf der Liste. Jeder, der gern in der Vertikalen zuhause ist, träumt von den klangvollen Namen der bekanntesten Spots, dem El Capitan mit der berühmten Kletterroute „Nose„, dem schön geformten Half Dome und natürlich nicht zuletzt vom legendären Boulder „Midnight Lightning“ im Herzen von Camp 4. Da wir allerdings zu einer Zeit in diesem Nationalpark waren, als das Thermometer über 105 Grad Fahrenheit (40 Grad Celsius) anzeigte, kam Klettern für uns leider nicht infrage. Dennoch wollten wir wenigstens den Half Dome aufs Dach steigen. Dass man hierfür mittlerweile ein Permit benötigt wussten wir schon, wie nervig und zeitraubend es sein würde eines zu bekommen hatten wir uns nicht ausgemalt. Wer -wie in unserem Fall- nicht Monate vorher reserviert hat, kommt vor Ort auf eine Warteliste. Einen ganzen Vormittag verbrachten wir also abwechselnd in der Schlange des Backcountry-Offices, immer in der Hoffnung dass einige der reservierten Tickets für den nächsten Tag nicht abgeholt würden und wir dadurch nachrutschen konnten. Um das Ganze noch etwas an Komplexität zu steigern, gibt es Kontingente für Tagestouren und Mehrtagestouren – auch hier muss man sich in der „richtigen“ Schlange anstellen und sozusagen auf’s richtige Pferd wetten. Wie immer hatten wir Glück – gegen Mittag hatten wir zwei Mehrtagespermits in den Händen. Mit diesen Permits war es uns zwar auch erlaubt in der Nähe des Half Domes im Backcountry zu zelten, aber wir entschieden uns dazu die Unternehmung (~1500 Höhenmeter / 10 Stunden) in einem Tag durchzuziehen – frei nach dem Motto „Wer leicht geht, geht schnell und weit“.

Die „normalen“ Campingplätze im Valley waren natürlich alle restlos ausgebucht, aber aufgrund der vollen riesigen Parkplätze, konnten wir so auch ungestört (und vor allem unauffällig) in unserem Bus übernachten. Als wir uns dann zum Half Dome aufmachten, klingelte Frühs bzw. Nachts (je nachdem wo man 02:00 einordnet) unser Wecker. Im Dunkeln unter Mondscheinlicht und Sternenfunkeln machten wir uns über Stock und Stein auf Weg. Dabei kamen wir am Vernal Fall, einem etwa 100m hohen Wasserfall vorbei, der, nur vom Mond beleuchtet, noch gewaltiger und interessanter wirkte. Weiter hinauf ging es am schier endlos wirkenden Nevada Fall (181m). Die Luft war noch kalt, sehr kalt. Die Dämmerung war noch gut zwei Stunden entfernt und wir bereits über der 200 Meter Marke. Da wir aufgrund der im weiteren Tagesverlauf zu erwarteten Hitze, nicht viele Sachen mitgenommen hatten, froren wir trotz der Bewegung ganz entsetzlich. Wir improvisierten und zogen unsere Regenhüllen vom Rucksack über uns – klingt zwar nicht sehr warm, war es aber. Zumindest ausreichend um nicht weiter zu frieren. Als wir uns dem Half Dome in Sichtweite näherten, wechselten Mond und Sonne einander ab. Die ersten Strahlen des anbrechenden Tages schenkten uns dann sehr schnell wieder Wärme.
Auf den Half Dome hinauf kommt man durch Stahlseile und Holzbalken, die am senkrechten Fels befestigt sind. Hier ist es von Vorteil zeitig da zu sein, um die Menschenanstauungen zu umgehen. Obwohl wir die ersten Stunden das Trails ganz allein und offensichtlich in Pole-Position gewesen waren, hatten wir am Beginn der Stahlseile ein paar Positionen eingebüßt – vermutlich an jene Aspiranten, die weiter oben campiert hatten und somit etwas frischer im Aufstieg waren.
Endlich oben angekommen, bot sich ein wunderschöner Blick über das gesamte Yosemite Tal. Es gibt wohl kein schöneres Plätzchen zum Frühstücken und wir genossen die wenigen Minuten (fast)Einsamkeit, die wir uns herausgelaufen hatten. Auf dem Rückweg kamen uns Menschenscharen entgegen, mit denen wir in Anbetracht der sehr schnell ansteigenden Temperaturen auf keinen Fall hätten tauschen wollen. Bestes Timing – alles richtig gemacht!

Am nächsten Tag spürten wir die Wanderung noch gut in unseren Beinen. Diesmal schliefen wir aus und Frühstückten gemütlich. Danach wollten wir zum Glacier Point fahren, aber das Schicksal hielt eine Überraschung für uns bereit… Wir wollten gerade aufbrechen, als ein Typ von der Picknickbank gegenüber uns ansprach. Er zeigte auf unsere Kennzeichen und fragte, uns zu unserem Auto. Wie sich herausstellte, waren er und seine Frau aus Spanien, genauer dem Baskenland. Sie waren ebenfalls auf einer längeren Reise und hatten sich ein Auto in USA gekauft. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Unseren ursprünglichen Plan hatten wir erstmal verworfen und verbrachten mit den Beiden einen schönen Nachmittag im Schatten der riesigen Pinien auf der Picknickbank. Wir tauschten Informationen aus, tranken Bier, kochten, aßen und erzählten – vor allem aber lachten wir viel. Als wir uns verabschiedeten, war es, als ob wir jahrelangen Freunden auf Wiedersehen sagten. Wir tauschten unsere Handynummern aus mit Hinblick, dass wir uns vielleicht nochmal auf dieser Reise Begegnen könnten…
Zu diesem Zeitpunkt konnten wir natürlich nicht wissen, dass wir seit dieser Begegnung noch viele Erlebnisse miteinander teilen würden und sich aus einem Zufall eine sehr gute Freundschaft entwickeln sollte.

Pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir dann doch noch am Glacier Point. Von dort bot sich nicht nur ein wunderbarer Blick auf den im letzten Sonnenlicht angestrahlten Half Dome, sondern auch nachts ein atemberaubender Sternenhimmel mit der längsten und größten Sternschnuppe, die wir je gesehen haben. Einziges Manko war, dass wir leider nicht wie geplant in unserem Bus übernachten konnten. Ein aufmerksamer Ranger entdeckte unser Vehikel samt uns auf dem Parkplatz und schickte uns weg. Na ja, man kann ja auch nicht nur Glück haben 😉

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Yosemite

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