Chattanooga

Eigentlich beginnt diese Episode unserer Reise schon weit vor Chattanooga – und zwar am Ocoee River. Aber zu diesem Vorspann möchte ich Julia (aka Ich habe Feuer gemacht) zu Wort kommen lassen…

Am Ocoee River hatten wir einen sehr schönen (und dazu noch super günstigen – 12 $) Campingplatz mit Picknicktisch und Feuerstelle direkt neben dem strömenden Fluss – immerhin ist bzw. war das Ocoee Whitewater Center olympische Distanz (1996) im Kajakslalom. Nachdem wir uns den Platz gemütlich mit Hängematte hegerichtet hatten, machte sich Mark ans Bilder bearbeiten und ich kümmerte mich ums Feuermachen. Für mich war es das erste Mal ein Feuer nur mit einem Feuerzeug anzukriegen, ganz ohne Grillanzünder und Holzkohle. Die Bedingungen waren gut, da um uns herum viel trocknes Holz lag. Nach ein paar Versuchen gelang mir ein winziges Feuerchen. Die anfängliche Freude war groß, doch musste ich feststellen, dass es nicht reicht ein Feuer zu entfachen, sondern auch zu beizubehalten bzw. zu vergrößern. Mit viel Pusten, Wedeln und sorgfältigen Nachlegen von diversen Ästen, gelang es mir ein ordentliches Feuer zu machen. Voller Freude und Stolz klopfte ich mir mit den Fäusten auf die Brust und rief: „Uh uh, ich habe Feuer gemacht!“ Eine schöne Erfahrung und beim nächsten Mal kommt dann der Versuch ohne Feuerzeug!

…hat Sie also Feuer gemacht – nicht nur Rauch J.
Weiter ging die Fahrt nach Chattanooga – zum einen um die beeindruckenden „Ruby Falls“, einen über 40m hohen unterirdischen Wasserfall, fast 400m unter dem Plateau des Lookout Mountain, zu bestaunen und zum anderen der Felsen, bekannt als Tennessee Wall. Über 600 rassige Trad Routen im superfesten Sandstein laden hier zum Klettern ein. In Laufdistanz zu den Ruby Falls gibt es zum warmklettern noch den Sunset Rock mit weit über 100 Trad Routen. Hier –das müssen wir ehrlich gestehen– verderben wir uns an diesem Nachmittag (wieder einmal ohne Kletterführer unterwegs) etwas den Appetit auf mehr und beschließen dem nahe gelegenen Sportklettergebiet „Deep Creek“ am nächsten Tag einen Besuch abzustatten. Zwar sind wir auch hier ohne die notwendige Literatur unterwegs, aber das sollte in einem Sportklettergebiet nicht zwingend drastische Folgen haben.

Aber erst einmal haben wir ein Problem – ein Parkproblem. Der Parkplatz ist mit einer Schranke verschlossen und diese mit einem Zahlenschloss. Mist! Den Code, soviel steht auf einer kleinen Tafel, finden wir im Internet. Haha – wohl dem der Netz hat. Wir jedenfalls nicht. Aber so leicht geben wir uns nicht geschlagen. Zurück zu den ersten Häusern sprechen wir einen Bewohner an, der gerade vor seinem Haus steht. Wir stellen uns kurz vor und schildern unser Anliegen. Frank ist sofort superfreundlich und hilfsbereit, holt sein iPad und ein paar Minuten später haben wir den Code: 0408 – so einfach kann das Leben sein. …denken wir… Zurück am Schloss, 0408 und: nix… es will einfach nicht aufgehen. 0804, auch nicht. 8040, 4080 und und und – nix. Aus Mist wird Scheiße! Wieder zurück zu Frank – dort können wir unseren Ducato abstellen und laufen die halbe Meile bis zum Parkplatz, von dort weiter zum Felsen. Mountain Project gibt hier nicht viele Details her. Fast Alles hängt drastisch über oder ist gar reine Dachkletterei. Jörg E. – Du würdest Dich hier wie im Paradies fühlen. Wir hingegen klettern uns in zwei Routen die Arme fest. Etwas gefrustet packen wir zusammen und ziehen von Dannen. Etwas weiter flussabwärts gibt es dann aber noch weitere Sektoren – hier wird auch geklettert. Auch hier freundliche Menschen, die uns natürlich ihre Kletterführer reichen um uns an der Wand zu orientieren – Tipps gibt’s gratis dazu. Der Tag wendet sich und wir werden mit wunderschönen, aber technisch anspruchsvollen Sandsteinrouten entschädigt. Randnotiz: Natürlich haben wir die anderen Kletterer gefragt, wo sie denn geparkt haben. Fragende Blicke begegneten uns – selbstverständlich auf dem Parkplatz – Code 0408. Hä??? Wir schauen einander ungläubig an und erzählen unsere Geschichte… Ach ja, das Schloss ist etwas „tricky“ sagt man uns – nachdem der Code eingestellt ist muss man es erst zusammendrücken und dann lässt es sich entriegeln.

Zurück bei Frank erzählen wir natürlich die Pointe und gestehen ein, einfach zu ungeschickt gewesen zu sein ein einfaches Zahlenschloss zu öffnen. Frank schmunzelt und sagt uns, dass er nachdem wir das zweite Mal bei ihm gewesen waren auch nochmal zum Parkplatz gelaufen war um den Code zu testen – auch bei ihm hat es funktioniert…

Natürlich zeigen wir Frank auch noch unser „zuhause“ und wir schwatzen noch eine Weile über unseren Trip. Wenig später stehen wir in Franks Haus, lernen seine Frau Patty kennen und freuen uns über so viel Freundlichkeit. Minuten vergehen, ein Wort gibt das andere und wir haben das Gefühl wirklich willkommen zu sein.

Genau diese Art von Begegnungen sind es, die wir so mögen. Es sind eben nicht nur die Plätze, die man besucht und bestaunt, es sind vielmehr die spontanen Begegnungen mit netten freundlichen Menschen, die in der Erinnerung haften bleiben. Vielen DANK Patty und Frank für diese –wenn auch kurze– Begegnung.

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