Crater Lake National Park

Als wir uns dem Crater Lake National Park von Norden her nähern, ist der Himmel regen verhangen. Es ist kalt und diesig – richtiges Schmuddelwetter. Kaum zu glauben, aber wir schreiben den 10. Juli. Zwar liegt schon der Nordeingang auf fast 1800 Höhenmetern, aber das sollte ja um diese Jahreszeit eine angenehme Kühle und nicht eine Daunenjacken-Kälte bedeuten. Bis hoch zur Caldera, dem Kraterrand sind es dann nochmals knapp 400 Höhenmeter – wir überschreiten also „nur“ die 2000 Meter Marke. Aber damit auch die Schneefallgrenze! Ja, kaum zu glauben, aber als wir den Kraterrand erreichen ist die Sicht gleich Null und es tobt ein Schneesturm. Die Szenerie ist unwirklich. Wir stehen den ganzen Tag nahe dem Visitor Center, ohne auch nur die Spur vom tiefblauen See, der Caldera oder den felsigen, steilen Abbruchkanten zu sehen. Allein die 20 Meter zu Toilette sind unangenehm. Zum Glück ist diese wenigstens beheizt, so wie auch unser Bus. Die Standheizung verwandelt den Innenraum in ein wohlig warmes Nest. Kaum wird es dunkel (wir hatten eigentlich beschlossen, die Nacht an Ort und Stelle zu verbringen) vermiest uns auch noch ein übermotivierter Ranger den Plan. Natürlich wissen wir, dass man in einem Nationalpark nicht im Auto übernachten darf, aber wir wissen auch, dass es fast 30 Milen und einige Höhenmeter bis außerhalb der Parkgrenzen sind. Egal, er lässt sich nicht erweichen und der Trick Sternenfotos des Nachts machen zu wollen, zieht an diesem Tag auch nicht und wird nur mit einem müden Lächeln quittiert. Dafür sind jetzt Nummernschild und Personalien abgespeichert und damit auch die Idee eines weiteren Versuchs innerhalb des Parks zu nächtigen, zu Nichte gemacht.

Noch vor Sonnenaufgang springt der Motor des Ducato erneut an und wir fahren die Serpentin hinauf zum Kraterrand. Fast eine Stunde dauert das – und ein zweites Mal ärgere ich mich, über diesen verbissenen Ranger, der uns wenige Stunden zuvor in die entgegengesetzte Richtung gezwungen hat.
Wir erreichen die Caldera genau im selben Moment, wie die Sonne aus der entgegengesetzten Richtung. Es ist kalt – sicher um die 5 Grad unter Null. Aber welch ein toller Anblick, welch eine Größe, welch eine Dimension dieser Crater Lake doch hat. Unter einem Volumen von 17,46 km³ Wassers kann sich unsereiner nicht viel mehr vorstellen, außer sehr sehr viel. Wie aber eine solche Menge tiefblaues und klares Wasser eingebettet in einer natürlichen Badewanne von fast 10 km Breite und einer Uferlänge von etwas über 35 km zu Sonnenaufgang wirkt, ist einfach gigantisch. Beeindruckend um so mehr, dass der tiefste See des Landes (der tiefste Punkt ist 594 m) ausschließlich durch Schmelz- oder Regenwasser gespeist wird.

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